Diese Frage lässt sich an den meisten Sicherungskästen beantworten ohne etwas aufzuschrauben. Da in schweizer Haushalten drei Phasen verwendet werden, aber das Balkonkraftwerk über die Steckdose nur auf eine dieser Phasen Energie einspeist, sollte man vorher prüfen, wo man die Anlage am besten einsteckt, wenn man den Strom physikalisch selbst verwenden möchte. Siehe aber dazu weiter unten Phasensaldierung.

Im Grundsatz hängen die meisten 230V Verbraucher und das Licht und dadurch viele bis alle Steckdosen an der Phase L1. Das kann aber auch ganz anders gestaltet sein.

Dieses Bild zeigt grosse Verbraucher, die an drei Phasen angeschlossen sind. Das sind in diesem Fall:

  • F1: Backöfen
  • F2: Kochfeld
  • F3: Boiler

Solche Geräte können auf einer Phase mit Strom versorgt werden. Aber keine Angst, diese Geräten brauchen so viel Strom, dass eine kleine 580W Solaranlage sowieso knapp genug Strom für eine der Phasen liefern kann. Auch an breiten Sicherungen mit einer Klappe können solcher erkannt werden.

Hier hängen in der Regel einzelne Grossverbraucher oder mehrere Geräte die über drei Phasen angeschlossen sind.

  • F11: Waschmaschine, Tumbler, Geschirrspüler
  • F12: Heizung, Abwasserpumpe
  • F13: Carport 400V Steckdose und E-Auto Ladestation

Gleiches Prinzip: Die Panels am Balkon können für eine Phase Strom liefern.

Hier sehen wir eine Sicherung mit drei Klappen. Hier sind eine bis drei Phasen angeschlossen immer L1 bis L3 von links nach rechts. An eine solche müssten auch die meisten Steckdosen und somit Kleinverbraucher angeschlossen sein. Es gibt installationen wo alles an der ersten Phase L1 hängt, dann kann das Balkonpanel tatsächlich allen Geräten im Haushalt voll oder zumindest teilweise Strom „abliefern“.

Auf diesem Beispiel ist das nicht der Fall, denn ich habe F21 und F24 auf der L1 sowie F22 und F25 auf der L2. Wenn ich das Balkonpanel nun an einer Steckdose der L1 anschliesse, wird es den Geräten auf der L2 keinen Strom liefern können.

Nun ist die Legende auf dem Tableau entscheidend:

  • F21 + F24: Licht Keller, Küche, Rack, Garten, Licht WC, Eingang und Sitzplatz, Wohnen
  • F22 + F25: Zimmer 1 + Bad, Heizverteiler, Wasserenthärter, Zimmer 2+3

Ich sehe nun, dass die Aussensteckdosen zu „Sitzplatz“ gehört und meine Balkonanlage somit auf die L1 einspeist. An der L1 ist zudem einiges an Licht, Steckdosen in der Küche, sowie Steckdosen im Keller. Das heisst, dass z.B. der Kühlschrank und die Gefriertruhe den Strom vom Solarpanel nutzen können, genauso auch mein Serverrack im Keller. Gleichzeitig weiss ich, dass die Kinderzimmer 1, 2 und 3 keinen Strom vom Solarpanel bekommen werden.

Phasensaldierung

Unsere Zähler rechnen allerdings nicht pro Phase ab. Selbst wenn an der gleichen Phase keine oder nur wenige Geräte hängen: Der Strom wird so zwar physikalisch eingespeist und vom Nachbar verbraucht, aber die „Phasensaldierung“ gleicht diese „Ungerechtigkeit“ aus. Gehen z.b. 300 Watt auf einer Phase raus, während auf einer anderen gleichzeitig 350 Watt verbraucht werden, zeichnet der Zähler die Differenz, also 50 Watt auf. Physikalisch brauchst du den Strom dann nicht selbst, aber die Spareffekt ist trotzdem immer da, weil der Zähler alle Phasen zusammenrechnet.

Grösse und Steckdose wählen

Ich hatte keine grosse Wahl bei der Steckdose: Ich kann nur an der Aussensteckdose einstecken, somit ist bei mir klar, dass der Strom der Balkonanlage auf die Phase L1 einspeist. Ich weiss aber, welche Geräte daran hängen und was diese ungefähr brauchen. Mit diesem Wissen kannst du zwei Entscheidungen treffen:

  • Macht ein oder zwei Balkonpanels bei mir Sinn? Habe ich auf der gleichen Phase genügend Verbraucher die regelmässig oder immer in Betrieb sind? Bei mir ist der Fall klar, wegen Servern, Kühlschrank, Licht und Gefriertruhe.
  • Je nach Verbrauch der Geräte: Reichen 290W um den Grundverbrauch zu decken? Oder macht es sogar Sinn 580W zu installieren?

Dabei immer bedenken, dass beim 580W Kraftwerk bei guter Ausrichtung und Sonne tatsächlich während 2-3 Stunden über 450 Watt Leistung eingespiesen werden. Sind an der Phase nur Kleingeräte mit zusammen 300 Watt angeschlossen, macht das grosse Kraftwerk keinen Sinn, weil du den Strom dann an den EW verschenkst. Für den überschüssigen Strom gibt es bei solchen Anlagen meist keine Einspeisevergütung.

Hinweis zu „all positive“ Zählern

Ich wurde daraus erst durch einen Leser aufmerksam. Es gibt ältere Zähler die „all positive“ sind, was man an diesem Icon auf dem Zähler erkennen kann.

Dieses Zeichen bedeutet, dass auch Einspeisung als Verbrauch gerechnet wird. Wenn du deine Anlage meldest sollte dein Stromlieferant den Zähler tauschen, daher unbedingt erwähnen bei der Meldung.

Wie gehts weiter?

Melde dich am besten gleich noch für eine kurze E-Mail Serie an in der weitere gute Gründe für eine Solaranlage aufgezeigt werden. Oder, solange du noch motiviert bist, hier geht’s zu den Balkonanlagen.